Ein Teil des besten Vereins der Welt: Mein FSJ beim THW Kiel – David Meurer

Wie die meisten meiner Mitschüler, wusste ich vor einem Jahr noch überhaupt nicht, was ich nach meinem Abitur machen möchte. Natürlich gab es die klassischen Optionen, ein Studium zu beginnen, eine Ausbildung machen oder sogar zur Bundeswehr zu gehen. Doch nichts davon konnte mich so recht überzeugen. Auch, als ich von Bayern nach Kiel zog, war ich mir noch immer nicht sicher. Dann wurde mir aber eine Möglichkeit geboten, über die ich vorher gar nicht nachgedacht hatte: Ein freiwilliges soziales Jahr. Zuerst kam es mir wie eine Notlösung vor. Warum ich es aber mittlerweile jedem empfehle, möchte ich anhand dieses Erfahrungsberichtes erklären.

THW Kiel FSJ Mitarbeiter David Meurer an seinem Arbeitsplatz im Büro des THW Kiel

Jeden Montag fahre ich um 8:45 Uhr aus meiner Wohnung in Kronshagen los, um pünktlich bei der Sportagentur CommEvent in Kiel Wellsee zu sein. Dort angekommen, widme ich mich zunächst meiner ersten Aufgabe als „FSJ-ler“, dem Schaukasten der Helmuth-Wriedt Halle. Egal ob die sechste Männermannschaft am Wochenende gewonnen oder das erste Damen-Team einen Punkt liegen gelassen hat: alle Ergebnisse der Jugend- sowie der Herren- und Damen-Spiele des THW Kiel schreibe ich auf und drucke das Ergebnis aus. Meist hänge ich die aktualisierten Zettel vor dem abendlichen Training der A-Jugend auf. Das Arbeitsklima in der Agentur ist sehr entspannt, da alle gut miteinander umgehen und harmonisch zusammenarbeiten. Klaus-Dieter Petersen, genannt Pitti, ist sowohl mein Trainer als auch mein Chef. Er gab mir von Anfang an verantwortungsvolle Aufgaben, die ich nach eigener Planung erledigen konnte. Eigenständiges Arbeiten zu lernen, ist eines der Ziele meines freiwilligen sozialen Jahres. Trotzdem hilft er mir, so wie alle anderen Mitarbeitern, bei Problemen jeglicher Art. Er sieht sich meine Fortschritte an, kritisiert, was besser laufen sollte und lobt, was gut läuft. Was mir zu Beginn etwas schwer fiel, war die dauernde Umstellung von Training und Arbeit. Nach einem schlechten Spiel am Wochenende muss man seinen Frust ablegen, um effektiv in der Agentur zu sein. „Du musst klar trennen, wann du Spieler und wann du FSJ-ler bist. Aber das hat Simon letztes Jahr auch geschafft“, meinte Dennis Olbert einmal zur mir. Er ist Trainer der U23 des THW Kiel und mein Arbeitskollege im Büro.

Eine große organisatorische Aufgabe für den FSJ Mitarbeiter des THW Kiel – die THW Handballschule mit bis zu 50 Kindern

Mein Dienstag beginnt zwar bereits sehr früh, ist aber trotzdem das Highlight meiner Arbeitswoche. Um 7:30 Uhr hole ich einige Schüler des Ernst-Barlach Gymnasiums ab und bringe diese zur nahegelegenen Tallinhalle. Den Transport kann ich mit einem vom Verein gestellten Kleinbus übernehmen. Um 7:45 Uhr starte ich dann mit meinen Trainerkollegen Sophie Fasold und Moritz Hass mit dem Training. Den Kindern das Handballspielen beizubringen, bereitet uns jede Menge Spaß. Besonders dann, wenn man die Fortschritte der jungen Sportler betrachtet und sie bei ihren Erfolgen begleitet. Nach dem Training erfolgt der Rücktransport zur Schule und ich fahre anschließend wieder in die Agentur. Nachmittags trainiere ich zusammen mit Lena Petersen die E-Jugend des THW Kiel. Da ich vor meinem FSJ noch keinerlei Erfahrung als Jugendtrainer gemacht hatte, war ich anfangs etwas unsicher. Doch durch die Korrekturen von Jugendabteilungsleiterin Kerstin Bruhnsen-Krug und Nachwuchskoordinator Klaus-Dieter Petersen machte mir die Arbeit mit den vielen Kindern zunehmend Spaß. Eine Leidenschaft, die ich erst in diesem Jahr entdeckt habe.

An den Wochenenden ist David als Spieler oder als Trainer im Kinderhandball im Einsatz

Mittwochs habe ich in der Regel frei. Nur selten kommt es einmal vor, dass etwas unbedingt zu erledigen ist.

Am Donnerstag starte ich dann wieder mit dem morgendlichen Schultraining. Vom Ablauf her gleichen sich Dienstag und Donnerstag. Einziger Unterschied: Das E-Jugend Training habe ich nicht zu leiten. Meist helfe ich dann bei sonstigen Tätigkeiten, wie der Organisation der Spielerbetreuung im THW Nachwuchs-Leistungshandball, Planung Handball-Camps, Trainerfortbildungen oder Kindertrainingseinheiten an Grundschulen in der Region oder Büroarbeiten für die THW-Junioren. Meine täglichen Aufgaben bekomme ich am Morgen mitgeteilt, entweder persönlich von „Pitti“ oder digital per E-Mail. Feierabend mache ich stets, wenn alle Aufgaben für den Tag erledigt sind. „In einer Agentur gehst du dann nach Hause, wenn du fertig bist.“

Freitags habe ich oft die Möglichkeit, mir schon während der Arbeitszeit den A-Jugend Gegner vom Wochenende anzusehen. Während ich mir die Videos ihrer letzten Spiele anschaue, schreibe ich Besonderheiten auf, die dann im Abendtraining mit meinen Torwartkollegen oder den anderen Spielern besprochen werden.

David Meurer besucht im März seine erste Trainerausbildung. In Neumünster wird er an einem Kinderhandball-Grundkurs des Landesverbandes teilnehmen

Aufgaben am Wochenende habe ich sehr selten. Wenn doch, sind diese aber meist nicht besonders zeitaufwendig. Zum Beispiel hole ich unsere Spieler aus Hamburg vor dem Spiel in Kiel vom Bahnhof ab oder helfe beim Transport der Wasserkästen zur Halle.

Natürlich hat ein freiwilliges soziales Jahr auch Seiten, die mir weniger gut gefallen. So fällt die Vergütung durch die Sportjugend Schleswig-Holstein mit 290€ im Monat sehr gering aus. Zusätzlich habe ich an 25 Tagen im Jahr Seminare und Weiterbildungen. Das bringt zwar meistens Spaß, verhindert aber gelegentlich meine Teilnahme am Trainingsbetrieb unter der Woche. Aber diese Dinge sind doch eher nebensächlich denn, wie mein Torwarttrainer Arne Johannsen einmal gesagt hat: „Es kommt gar nicht so sehr auf den Handball und das drum herum an, sondern auf die Form Mensch, die hier aus dir wird.“ Und ich muss sagen, dass ich mich nicht nur sportlich, sondern auch menschlich in diesem Jahr ein großes Stück weiterentwickelt habe und nun klare Ziele für die Zukunft verfolge.

Wenn ich mich heute mit meinen alten Schulkameraden unterhalte, dann höre ich oft, dass sie grade ihr Studium abgebrochen haben, weil es doch nicht das richtige war. Oder sie haben einfach ein Jahr lang gar nichts getan. Mir wäre es da wahrscheinlich nicht anders gegangen aber so bin ich nun ein Teil des besten Handballvereins der Welt.


Euer Team Öffentlichkeitsarbeit