Mein Jahr als FSJler des THW Kiels

Am Anfang des Jahres wusste ich nicht so genau, was mich hier erwartet. Ich habe zwar schon meiner Familie und meinen Freunden erzählt “ Hey, ich mache im nächsten Jahr ein FSJ beim THW Kiel!“, aber so richtig tiefgehend damit beschäftigt, was genau auf mich in denn nächsten 12 Monaten auf mich zukommen würde, habe ich nicht. Ich dachte nur, dass es für jemanden, der noch überhaupt keine Ahnung hat, was/ob/wann er studieren möchte, und der selber gerne noch das letzte Jugendjahr in der A-Jugend beim THW spielen will, bestimmt kein Fehler sein könnte. Und Gott sei Dank hatte ich recht!

Mein Name ist Bjarne Duckert, ich bin 19 Jahre alt, und ich spiele seit 2014 beim THW Kiel. Im Juni 2018 habe ich mein Abitur erfolgreich absolviert und im Oktober dieses Jahres beginne ich ein Studium an der Deutschen Sporthochschule in Köln. Aber was ist mit der Zeit dazwischen? Im Frühjahr 2018 stellte sich mit den anstehenden Abiturprüfungen natürlich die Frage: Was kommt danach? Studieren? – Ne, noch nicht bereit dazu. Umziehen? – Nein, will noch die A-Jugend beim THW beenden. So kam ich irgendwann (auch mangels passender Alternativen) mit meinem Trainer und jetzigen Chef Klaus-Dieter „Pitti“ Petersen ins Gespräch, ob ich mir nicht ein „Freiwilliges Soziales Jahr“ beim THW Kiel vorstellen könnte. Und ich sagte relativ schnell ja, auch wenn nur eine äußerst grobe Vorstellung dessen hatte, was auf mich zukommen sollte. Dann ging alles recht schnell, Abitur, Abiturfeiern, Abiturfahrten, und dann saß ich plötzlich schon am 1.8. im Büro mit meinen Trainern/Chefs Pitti Petersen und Christian Sprenger und meinem BfD-Kollegen Bahne Bannach und das Ganze fing an.

Die ersten zehn Tage plätscherten so vor sich dahin, ich lernte alles ein bisschen kennen, Pitti zeigte mir ein bisschen die THW-Junioren Website, und wie man darauf arbeiten kann und ich lernte den ganzen Verein und die Strukturen kennen. Dann ging es zu meinem ersten Seminar: über das FSJ hatte ich die Möglichkeit, die Handball C-Lizenz zu erwerben, in zwei Blöcken à fünf Tagen. Bereits im ersten Block lernte man viel, was man später auch im Arbeitsalltag gut gebrauchen konnte, und auch der zweite Block Mitte Oktober mit der abschließenden Prüfung half mir viel bei meiner Trainertätigkeit im Rahmen des Jahres. Außerdem war es super, das man bei den HVSH-Lehrgängen schon viele Kontakte zu anderen FSJlern in ganz Schleswig-Holstein knüpfen konnte.

Mitte August ging dann das Jahr so richtig los: mit dem Schul- und Saisonbeginn starteten auch viele meiner Aufgaben. Zweimal die Woche leitete ich am Ernst-Barlach-Gymnasium den Handballunterricht der Sportklassen (5.-7. Klasse), zweimal trainerte ich als Co-Trainer gemeinsam mit Hendrik Hell die männliche D1 (plus Spiele am Wochenende), ich kümmerte mich um die Vor- und Nachberichterstattung sämtlicher Spiele der U15 bis U23 auf der THW Junioren Website und bereitete mich und mein U19-Team durch Videoanalyse und Plakaterstellung auf unseren kommenden Gegner vor. Besonders an der Öffentlichkeitsarbeit und an der Arbeit mit meiner D-Jugend fand ich sehr viel Gefallen. Ansonsten erledigte ich über das gesamte Jahr sämtliche Dinge, die so anfallen, wie z.B. weitere Berichterstattung auf der THW Junioren Website, Transport von Dingen, unregelmäßige Leitung von anderen AGs, wenn jemand anderes ausfällt etc.

Im September fuhr ich zum Einführungsseminar nach Bad Malente, erneut ohne zu wissen, was mich genau erwartet. Bei dem Einführungsseminar waren alle, die in Schleswig-Holstein ein FSJ/BfD im Sportbereich machen, knapp 130 16-22-Jährige. Die Woche war dann total super: neben erstaunlich interessanten Workshops wurde einfach echt viel Sport gemacht, und man lernte extrem viele Leuten mit den gleichen Interessen kennen.

Mit dem frischen Wind vom Seminar kam ich zurück zum THW Kiel. Ich kam mit nahezu allen meinen Aufgaben prima klar, und optimal war natürlich auch, dass die Arbeit nicht mit meinem Spiel- und Trainingsbetrieb in der U19 und U23 kollidierte. In der Vorweihnachtszeit zogen wir mit unserem Büro von Kiel-Wellsee in das neue Leistungszentrum des THW Kiels in Altenholz, was natürlich auch ein bisschen Stress verursachte, letztendlich aber recht reibungslos von der Bühne ging. So verging Monat um Monat, wir richteten uns in unserem neuen Büro ein, die Arbeitsabläufe blieben jedoch größtenteils die gleichen.

Im März ging es dann zum Zwischenseminar, eins der absoluten Highlights des Jahres. Mit diesmal nur 40 FSJlern waren wir wieder im Sport- und Bildungszentrum in Malente. In zwei Gruppen aufgeteilt, lernte man sich erst so richtig gut kennen. Wir machten wieder sehr viel Sport und hatten interessante Workshops, z.B. zum Thema Diskriminierung und Öffentlichkeitsarbeit im Sport. Auch die Sportworkshops waren wieder super, aber am besten war einfach die allgemeine Stimmung in der Gruppe und die Freundschaften, die man auf so einem Zwischenseminar schloss. Auch das Abschlusseminar zwei Monate später war ähnlich (toll), sodass man dann richtig traurig war, dass man viele von den Gesichtern in dieser Konstellation nicht mehr wiedersehen würde.

In den letzten zwei Monaten veränderte sich das Arbeiten ein bisschen: mit dem Ende der Saison vielen einige Aufgaben weg, mit dem Beginn der Sommerferien weitere. Trotzdem gab es natürlich noch einiges zu tun. Außerdem habe/hatte ich noch relativ viel Urlaub, den ich nun nehme.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass das FSJ zu machen, eine richtig gute Entscheidung war. Zum einen konnte ich das Jahr perfekt zur Orientierung nutzen; mir ist klar geworden, wohin es mich nach dem Jahr zieht. Zum anderen habe ich in diesem Jahr unglaublich viel gelernt, ohne dabei mein eigenes Handball spielen vernachlässigen zu müssen, ob im normalen Joballtag, oder auch auf den Seminaren. Nun freue ich mich auch auf meinen weiteren Weg und auf ein neues Kapitel, allerdings wird mir diese Zeit immer gut in Erinnerung bleiben!