U23: Tim Wendt – Unverhofftes Traum-Debüt

Was für ein Debüt: THW-Trainer Alfred Gislason (li.) umarmt U 23-Keeper Tim Wendt, „Mister 100 Prozent“. © Uwe Paesler


 Handball-Bundesliga : U 23-Torhüter Tim Wendt feiert beim 33:24-Erfolg des THW Kiel eine mehr als gelungene Premiere

Kiel. Der 33:24 (17:13)-Erfolg des THW Kiel gegen den TV Hüttenberg lässt sich schnell unter der Kategorie „Pflichtsieg“ abhaken – durch das Comeback des Kieler Kapitäns Domagoj Duvnjak (siehe Seite 26) und das Bundesliga-Debüt von U 23-Keeper Tim Wendt aber wird der 2. Dezember 2017 in Erinnerung bleiben.

THW-Trainer Alfred Gislason rotierte zwischen den beiden Derbys gegen die SG Flensburg-Handewitt, brachte Emil Frend Öfors und Ole Rahmel auf Außen, begann mit Miha Zarabec auf der Mitte sowie Christian Dissinger und Marko Vujin auf den Halbpositionen. Der Beginn gestaltete sich etwas zäh, Hüttenberg spielte seine Angriffe lang aus, konnte bis zur 16. Minute einen Rückstand vermeiden. Nach der ersten Führung (9:8) aber kam der THW ins Rollen, erarbeitete sich bis zur Pause eine Vier-Tore-Führung. Vor allem Zarabec, der insgesamt neun Tore erzielte, zeigte gegen die offensive Deckung des Aufsteigers eine starke Leistung, Rahmel und Frend Öfors zeigten, dass die Kieler Außenpositionen doppelt gut besetzt sind, und Dissinger bestätigte seine aktuell gute Form.

Was für ein Debüt: U 23-Keeper Tim Wendt, „Mister 100 Prozent“.

Nach einer Sieben-Tore-Führung (22:15/38.) schlichen sich zwar ein paar Fehler ein, Zarabec und zwei Mal Christian Zeitz verwarfen, die Gäste kamen wieder etwas heran. Gefährdet aber war der Sieg nie, und so rückten andere Dinge in den Fokus. Etwa Tim Wendt: Der 20-jährige Keeper ist normalerweise beim THW II in der Oberliga aktiv, rückte am Sonnabend aber in den Bundesligakader der Zebras. Niklas Landin hatte krankheitsbedingt kurzfristig passen müssen, Tom Landgraf, Mitglied des THW-Anschlusskaders und Torhüter beim TSV Altenholz war nach Roter und Blauer Karte im Trikot des Drittligisten nicht spielberechtigt – um 15.30 Uhr erreichte Wendt der Anruf von Assistenztrainer Christian Sprenger. „Er war in Rendsburg bei seiner Freundin, ist erst beim dritten oder vierten Mal ans Telefon gegangen“, erzählte Sprenger nach der Partie. „Ich habe mich riesig gefreut, bin sofort losgefahren“, sagte Wendt über den unverhofften Anruf, der auch dem THW zusätzliche Arbeit bereitete: In Windeseile wurde ein Torwart-Pullover mit dem Namen Wendt und der Nummer 32 beflockt.

Bis zum Anwurf um 20.30 Uhr blieb dem 1,83-Meter-Mann (Gislason: „Er ist ein super Torwart, ihm fehlt nur ein bisschen die Größe“) also nicht viel Zeit, um sich vor dem Auftritt auf der ganz großen Bühne Gedanken zu machen. Und es blieb nicht beim Einlauf in die ausverkaufte Arena und einem anschließenden Bankplatz: Rund fünf Minuten vor dem Ende rief Gislason Andreas Wolff zu sich an die Seitenlinie, wechselte einige Worte mit seinem Keeper, der sich im Laufe der Partie deutlich gesteigert hatte. „Ich habe zu Andi gesagt: ,Ich bringe gleich Tim Wendt, das wird vielleicht das einzige Mal sein, dass er hier spielen kann’“, erklärte der Coach. In der 58. Minute war es so weit, Wendt betrat die Platte. Und bekam gleich Arbeit. Frei vom Kreis prüfte Mario Fernandes den Debütanten – Wendt parierte. Als er wenig später Parade Nummer zwei verbuchte und seine 100-Prozent-Quote zementierte, kannte der Jubel in der Arena keine Grenzen.

„Das war super, ich glaube, er wird eine Woche lang nicht schlafen können“, sagte Gislason grinsend. Und auch die anderen Zebras freuten sich mit dem Debütanten. „Ich weiß gar nicht, ob er vorher Video geguckt hat“, rätselte René Toft Hansen lachend. „So eine Premiere ist natürlich toll für ihn.“ Der Unbezwungene selbst war überglücklich. „Ich habe gar nicht damit gerechnet, dass ich zum Einsatz komme“, sagte er. „Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, ich bin total glücklich.“ Für Christian Sprenger, Wendts Trainer in der U 23 war der gute Einstand keine Überraschung: „Ich weiß ja, was er kann, er hat bei uns super gespielt. Ich freue mich riesig für ihn.“

Nach dem 33:24-Erfolg haben sich die Zebras eine Pause redlich verdient: Nach leichtem individuellen Training am Sonntag haben sie zwei Tage frei.